Nicht nur wir Menschen, auch unsere gut versorgten Haustiere können eine Diabetes ausbilden. Das gilt damit grundsätzlich für alle Hamster. Doch speziell bei einigen Zwerghamster-Arten schlummert der Diabetes bereits in den Genen. Wer einen Campbell, einen Hybriden aus Campbell und Dsungaren oder einen Chinesischen Streifenhamster pflegt, muss diesen ab dem ersten Tag auf Diät setzen. Hierbei geht es nicht um eine Futterbegrenzung, sondern um eine Zucker-Diät.
Grundsätzlich gilt, dass alle Hamster auf das Futterangebot ihres Lebensraums spezialisiert sind. Sie fressen Pflanzenteile und Insekten, aber überwiegend fressen sie Sämereien. Je nach Hamsterart zählen Früchte gar nicht zum Speiseplan oder ansonsten höchstens für eine kurze Zeit des Jahres. Nur, dass wilde Hamster sich für ihr Futter mehr bewegen und den Fruchtzucker besser vertragen.
Das bedeutet, dass die Grundlage der Ernährung für Hamster die passende Futtermischung für Zwerghamster eines seriösen Herstellers ist. Es soll sich um eine Körnermischung mit Blüten, Kräutern und einigen Futterinsekten handeln. Früchte sollen nicht enthalten sein. Genauso dürfen keine Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder sonstige künstliche Zusätze enthalten sein. Das Futter ist im Idealfall unverarbeitet. Und selbst dann ist es wichtig, dass die Futtermischung mit Fachkenntnissen abgemischt wurde, da auch der Anteil der Ölsaaten stimmen soll.
Zur artgerechten Fütterung gehören auch kleine Mengen an Frischfutter am Tag. Ein paar Gräser, Kräuter, etwas Gemüse und viele geben auch sehr kleine Mengen Früchte und Obst. Gerade Kernobst enthält sehr große Mengen an Zucker und darf nicht einmal einem Goldhamster gegeben werden. Doch bei den gefährdeten Zwerghamstern sollte prinzipiell auf Beeren und Obst verzichtet werden. Die in Menschenhand gehaltenen Hamsterarten sind dieses Futter aus freier Natur ohnehin nicht gewohnt.
Besser ist es, den gefährdeten Zwerghamstern lediglich grünes Frischfutter und kleine Mengen zuckerarmes Gemüse zu geben. Bei einem ausgebrochenen Diabetes kann es helfen, die Anzahl der Futterinsekten für eine gesteigerte Protein-Aufnahme zu erhöhen.
Neben der richtigen Fütterung ist auch Bewegung eine sehr effektive Diabetes-Prävention. Es kommt jedoch vor, dass die kleinen Hamster im kleinen Käfig zu regelrechten Laufrad-Junkies werden. Auch das soll nicht passieren, der Käfig muss deswegen groß und abwechslungsreich strukturiert sein.

Zu den Hamsterarten:
Campbells: Die kleinen Campbells leben in Steppen und Halbwüsten, die sich über die Mongolei nach Nordchina und Sibirien ziehen. Die Lebenserwartung liegt bei maximal 2,5 Jahren. In freier Natur wird sicherlich kein Zwerghamster älter als zwei Jahre. Unklar bleibt, ob auch wilde Campbells eine Neigung zum Diabetes Typ 2 haben oder ob dieser auf mangelhafte züchterische Arbeit in den Anfängen der Domestizierung zurückzuführen ist.
Hybriden aus Campbells und Dsungaren: Die Dsungaren sind etwas größer als Campbells. Dsungaren leben in den Steppen und Halbwüsten Zentralasiens, darunter Kasachstan und Sibirien. Weil beide Arten einst als eine betrachtet wurden, sind viele Exemplare verpaart worden. Kritiker erklären, dass es in Menschenhand praktisch keine artreinen Campbells gibt. Zumindest gibt es Hybriden aus beiden Arten. Die genetische Veranlagung zur Diabetes Typ 2 schlägt immer durch.
Hybrinde mit der Fellzeichnung Mandarin: Als besonders Diabetes-gefährdet gelten die Mandarin-Zwerghamster. Das Gen für die Fellzeichnung in orange-beige bis rötlich stammt von den Campbells. Dieses Gen scheint auch die besondere Anfälligkeit für Diabetes einzutragen.
Der Chinesische Streifenhamster stammt ebenfalls aus der Region von der Mongolei, Nordchina und Sibirien. Auch er bevorzugt Steppen und Halbwüsten und lebt sogar in Regionen mit lichtem Baumbestand. Diese Hamsterart neigt sozusagen zu einer Mischung aus Diabetes Typ 1 und 2. Seine Bauchspeicheldrüse produziert insgesamt wenig Insulin und muss geschont werden.
Während Campbells und Hybriden ihren Diabetes eher im Laufe ihres Lebens entwickeln, ist dieser bei Chinesischen Streifenhamstern häufig bereits sehr früh ausgeprägt.
Zur Information: Auch Dsungaren sind gefährdet, einen Diabetes auszubilden – aber nicht ganz so intensiv, wie Campbells und Hybriden.
Diabetes beim Zwerghamster erkennen
Die ersten Phasen eines Diabetes sind unscheinbar oder sogar unsichtbar. Es lassen sich auch schlecht Blutproben auswerten. Eine Möglichkeit besteht lediglich darin, den Zwerghamster in eine Keramikschale zu geben und zu warten, bis dieser uriniert. Der Urin lässt sich anschließend auf Zucker testen. Nur, dass auch das kaum einer macht. Selbst wenn, abgesehen von der Fütterung und Bewegung gibt es kaum adäquate Ansätze, um diese Kleinnager zu behandeln.
Ein Diabetes beim Zwerghamster wird also fast immer dann erkannt, wenn er sich bereits mit äußeren Symptomen bemerkbar macht. Dazu zählen:
- erhöhte Wasseraufnahme mit erhöhtem UrinabsatzAbgeschlagenheit, Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit
- Gewichtsverlust trotz gesteigerter Futteraufnahme
- trübe Augen
- das Fell wirkt ungepflegt
- der Zwerghamster bleibt einfach mal erschöpft liegen
Der Diabetes ist an diesem Punkt bereits schwer zu behandeln, da einem bei der kurzen Lebensspanne die Zeit wegläuft. Umso wichtiger ist es, umgehend mit der richtigen Diät zu beginnen und dem Tier Möglichkeiten für Bewegung zu verschaffen.
Boxhornklee
Die Samen des Boxhornklees haben die Fähigkeit, den Blutzucker zu senken. Das ist zugleich gefährlich, wenn sie diesen zu stark absenken. Deswegen ist es sehr wichtig, nicht zu viel zu geben. Doch zwischen drei und fünf Samen dürfen Zwerghamster pro Tag erhalten. Diese sollen möglichst über den Tag verteilt verabreicht werden. Wer es genau nimmt, kann die Futtermenge ebenfalls auf mehrere Zeiten des Tages aufteilen und vorher den Boxhornklee geben. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er auch gefressen wird.
Boxhornklee könnte auch präventiv verabreicht werden – dann aber eher mit ein oder zwei Körnern am Tag.
Fazit zur Diabetes bei Zwerghamstern
Eine tierärztliche Therapie des Zwerghamsters ist bereits dadurch schwierig, dass die Tiere sehr klein sind und über eine begrenzte Lebensspanne verfügen. Weiterhin nehmen Hamster schaden, wenn sie in ihrer Tagruhe gestört werden und zum Tierarzt müssen.
Im nächsten Schritt ist das Interesse vieler Tierärzte an der Behandlung eines Hamsters gering. Genau das sollte der Tierhalter vorab erfragen und erst dann seinen Tierarzt auswählen. Der erste Schritt wäre die Diagnose über einen Urintest.
Letztendlich bleibt die Behandlung eines Hamsters schwierig. Besser ist es, einen genügend großen Käfig und eine konsequent vorsichtige Fütterung anzubieten. Das Wohlbefinden des Tiers ist immerhin höher, wenn es gar nicht erst krank wird.
Quelle: hamsterwelten.de
Fotos von Heiko Fröhlich

