Beim Stichwort Aquarium denken die meisten sofort an Fische. In den letzten 30 Jahren wurde aber auch die Haltung von Wirbellosen im Aquarium immer beliebter. Diese laden nicht nur mit ihrem Verhalten oder bisweilen bunten Farben zur Beobachtung ein – einige Arten unterstützen auch bei der Aquarienpflege, etwa indem sie Algen fressen.

Was sind eigentlich Wirbellose? Ihren Namen verdanken sie der Besonderheit, dass sie im Gegensatz zu Wirbeltieren wie etwa Säugetieren, Vögeln oder Fischen keine Wirbelsäule besitzen. „Zu den Wirbellosen gehören etwa Krabben, Garnelen, Flusskrebse und Schnecken. Wenn wir über das Süßwasseraquarium hinausblicken, könnte man außerdem beispielsweise noch Muscheln, Korallen und Insekten aufzählen“, erklärt Oliver Mengedoht, Chefredakteur des aquaristik-Magazins und von caridina, einem Fachmagazin zu Wirbellosen. „Die Unterteilung geht dann natürlich noch weiter. Wir sprechen da aktuell beispielsweise von rund 1500 Süßwasser-Krabbenarten. Teilweise benötigen die auch Land, etwa in Form eines Steins oder Kork an der Oberfläche – manche Arten brauchen sogar einen festen Landanteil in einem Aqua-Terrarium.“

Die Beliebtheit von Wirbellosen im Aquarium ist verhältnismäßig neu. Ab den 90er Jahren wurden sie bekannt, weil sie als kleine Helfer im Wasser unterstützen. Mitte der 2000er wurden zudem viele Arten mit auffälligen Farben entdeckt und seitdem gezüchtet. „Der Hype hat mittlerweile etwas nachgelassen, aber die Nachfrage ist weiterhin hoch“, so der Experte.

Garnelen und Schnecken als nützliche Helfer

Als einer der Pioniere gilt der japanische Aquariengestalter Takashi Amano. „Er setzte in seinen gestalteten Aquarienlandschaften Garnelen zur Unterstützung ein. Nach ihm ist deshalb auch die beliebte Amano-Garnele benannt“, sagt Mengedoht. „Wie andere Zwerggarnelenarten, aber auch Weichtiere wie die Posthornschnecke oder die Rennschnecke, vertilgt diese im Aquarium Algen und Reste von sich zersetzenden Pflanzen. So tragen die Tiere zu einer guten Wasserqualität bei.“

Wirbellose als Beobachtungsobjekte

Andere Arten überzeugen dagegen als auffällige Beobachtungsobjekte, die Abwechslung ins Aquarium bringen. So machen viele Wirbellose mit dezenten Farbklecksen, teilweise aber auch mit knallbunten Farben in der Unterwasserwelt auf sich aufmerksam. „Vor allem einige Krebstiere sind zudem neugierig und lernfähig. Selbst innerhalb einer Art können sich die Tiere in ihrem Verhalten unterscheiden und individuelle Charaktere ausbilden“, beschreibt der Experte den besonderen Reiz der Tiere. Manche Arten beeindrucken darüber hinaus aber auch mit ihrem Gruppenverhalten, das zur Beobachtung einlädt.

Wirbellose und Fische gemeinsam halten?

Ob Fische und Wirbellose harmonisch in einem Aquarium zusammen gehalten werden können, lässt sich nicht pauschal beantworten. „Manche Fische sehen vor allem kleine Wirbellose mitunter als Teil der Nahrung. Umgekehrt können Flusskrebse als eine Art Gesundheitspolizei auch kranke Fische fressen, wenn diese sich träge am Bodengrund aufhalten“, fasst Mengedoht zusammen. Für kleine Fische wie Guppys oder Platys seien die Wirbellosen aber zu groß, um als Nahrung zu dienen. In dem Fall können beide Arten nebeneinander koexistieren. „Insgesamt ist die gemeinsame Haltung nur bedingt geeignet“, so der Experte.

Wichtig: Im Vorfeld informieren

Wer sich für die Haltung von Wirbellosen im Aquarium interessiert, sollte sich im Vorfeld genau informieren, welche Arten sich im einzelnen Fall als Helfer eignen und ob eine gemeinsame Haltung mit eventuell schon vorhandenen Fischen oder Wirbellosen empfehlenswert ist. Zu beachten ist auch, dass die Haltung ehemals beliebter Arten wie der Apfelschnecke oder des Amerikanischen Sumpfkrebses EU-weit verboten wurde, weil diese sich in anderen Regionen zu Schädlingen in der Natur entwickelt hatten. Aktuelle Informationen finden Interessierte etwa im caridina-Magazin oder beim Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern e.V. (https://www.wirbellose.org/), der im Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) aktiv ist.