Wer mit einem eigenen Aquarium in die faszinierende Unterwasserwelt starten möchte, sollte bei der Auswahl seiner ersten Fische nicht nur auf Aussehen und Farbe achten – entscheidend sind vor allem die Bedürfnisse der Tiere und ein gut abgestimmter Besatz.
Mit der richtigen Auswahl gelingt der Start in die Aquaristik
Das erste eigene Aquarium ist faszinierend – doch gerade am Anfang stellen sich viele Fragen: Welche Fische eignen sich für Einsteiger? Welche Arten können zusammenleben? Und wie groß sollte das Aquarium eigentlich sein? Wer den Besatz sorgfältig plant und einige grundlegende Regeln beachtet, schafft gute Voraussetzungen für ein stabiles Aquarium und gesunde Tiere.
Ein größeres Aquarium kann den Einstieg erleichtern
Fische brauchen passende und möglichst stabile Wasserwerte. Pflanzen bieten Rückzugsmöglichkeiten, nehmen Nährstoffe aus dem Wasser auf und tragen zum biologischen Gleichgewicht bei. Hinzu kommt eine auf das Aquarium abgestimmte Technik mit Filter, Beleuchtung und – je nach gehaltenen Arten – Heizung.
Gerade für Anfänger klingt ein möglichst kleines Aquarium zunächst verlockend. Tatsächlich kann ein etwas größeres Becken jedoch leichter stabil zu halten sein.
„Grundsätzlich gilt beim ersten Aquarium: Größer ist oft einfacher“, erklärt Thomas Münch, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA) e. V. „In größeren Aquarien verändern sich die Wasserwerte nicht so schnell und sie reagieren weniger empfindlich auf Schwankungen. Das gibt Anfängern mehr Sicherheit, ihren Tieren stabile Bedingungen zu bieten.“
Bei der Auswahl der Fische sollten allerdings nicht allein Farbe und Aussehen entscheiden. Wichtig ist vor allem, dass die Ansprüche der verschiedenen Arten an Wasserwerte, Beckengröße, Einrichtung, Futter und Sozialverhalten zueinander passen.
Schwarm- und Gruppenfische: Gemeinsam durchs Aquarium
Viele kleinere Salmler und Bärblinge kommen für Einsteiger infrage. In einer ausreichend großen Gruppe lässt sich ihr natürliches Sozial- und Schwimmverhalten besonders schön beobachten. Welche Art geeignet ist und wie viele Tiere zusammen gehalten werden sollten, hängt jedoch von der jeweiligen Fischart und der Größe des Aquariums ab.
„Schwarmfische zeigen als harmonierende Gruppe oft besonders eindrucksvoll, wie faszinierend das Leben unter Wasser sein kann“, sagt Münch. „Darüber hinaus gelten viele dieser Arten als vergleichsweise robust und somit als anfängerfreundlich.“
Auch bei vermeintlich unkomplizierten Arten gilt: Vor dem Kauf sollten sich angehende Aquarianer über die konkreten Haltungsbedingungen informieren.
Panzerwelse: Gesellige Bewohner der unteren Wasserregion
Panzerwelse sind beliebte Aquarienbewohner und halten sich überwiegend in Bodennähe auf. Dort sind sie ständig unterwegs und zeigen ihr charakteristisches Such- und Wühlverhalten.
Wichtig: Panzerwelse sollten nicht als bloße „Resteverwerter“ oder Reinigungskräfte betrachtet werden. Auch sie benötigen eine artgerechte, gezielte Fütterung sowie einen geeigneten Bodengrund und passende Rückzugsmöglichkeiten.
Da Panzerwelse gesellige Tiere sind, sollten sie zudem nicht einzeln gehalten werden. Die erforderliche Gruppengröße und die Ansprüche an Wasser und Beckeneinrichtung unterscheiden sich je nach Art.
Guppy, Platy und Molly: Beliebt, bunt – und vermehrungsfreudig
Guppys, Platys und Mollys zählen zu den bekanntesten Aquarienfischen. Die lebendgebärenden Zahnkarpfen sind farbenfroh und interessant zu beobachten.
„Besonders Guppys sind bei vielen Aquarianern der erste Kontakt mit der Fischhaltung: Sie sind anpassungsfähig, farbenfroh und lebhaft – es gibt also immer etwas zu beobachten“, erklärt Münch.
Ein Punkt sollte allerdings bereits bei der Planung berücksichtigt werden: Lebendgebärende können sich unter geeigneten Bedingungen schnell vermehren. Aus einem zunächst überschaubaren Besatz können deshalb innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich mehr Tiere werden.
Wer Guppys, Platys oder Mollys halten möchte, sollte sich vorab über Geschlechterverhältnis, Nachwuchs und die langfristig mögliche Besatzentwicklung informieren. Zudem haben die Arten unterschiedliche Ansprüche – insbesondere Mollys benötigen ausreichend Platz und geeignete Wasserbedingungen.
Beim Fischbesatz gilt: Weniger ist häufig mehr
Gerade beim ersten Aquarium ist die Versuchung groß, möglichst viele verschiedene Fischarten miteinander zu kombinieren. Für Tiere und Halter ist ein überschaubarer, sorgfältig zusammengestellter Besatz jedoch häufig die bessere Lösung.
Wenige Arten, deren Bedürfnisse tatsächlich zusammenpassen, erleichtern es, geeignete Wasserwerte, Gruppengrößen und Fütterungsbedingungen einzuhalten. Gleichzeitig können die Tiere ihr natürliches Verhalten besser zeigen, wenn für jede Art ausreichend Platz vorhanden ist.
Statt das Aquarium möglichst schnell vollständig zu besetzen, lohnt es sich daher, den Fischbestand Schritt für Schritt und mit Blick auf die langfristige Entwicklung zu planen.
Vor dem Fischkauf genau informieren
Ob Salmler, Bärblinge, Panzerwelse oder lebendgebärende Zahnkarpfen: Die Bezeichnung „anfängerfreundlich“ bedeutet nicht, dass ein Fisch keine besonderen Bedürfnisse hat. Auch robuste Arten benötigen artgerechte Wasserwerte, ausreichend Platz, passende Artgenossen und eine geeignete Einrichtung.
Deshalb sollte vor dem Kauf immer geklärt werden, welche Endgröße die Tiere erreichen, wie groß ihre Gruppe sein sollte, welche Wasserwerte sie benötigen und ob die ausgewählten Arten tatsächlich miteinander harmonieren. Fachkundige Beratung im spezialisierten Zoofachhandel oder in einem Aquaristikverein kann insbesondere beim ersten Aquarium hilfreich sein.
Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.; Expertenaussagen von Thomas Münch, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA) e. V.