Kaninchen und Meerschweinchen sind soziale Tiere und brauchen Gesellschaft von Artgenossen. Eine aktuelle Auswertung zeigt einen positiven Trend: Im Durchschnitt leben heute mehr Tiere gemeinsam als noch vor zehn Jahren.
Zehn-Jahres-Trend zeigt Entwicklung hin zu mehr Gruppenhaltung
Kaninchen und Meerschweinchen brauchen Sozialkontakte zu Artgenossen. Umso erfreulicher ist eine Entwicklung, die sich in deutschen Haushalten beobachten lässt: Im Durchschnitt leben heute mehr Tiere gemeinsam als noch vor zehn Jahren. Doch bei der Zusammenstellung einer Gruppe gibt es einiges zu beachten.
Kleintiere gehören zu den beliebten tierischen Mitbewohnern in Deutschland. In rund 1,8 Millionen Haushalten leben insgesamt 4,4 Millionen Kleintiere. Mit 2,1 Millionen Tieren sind Kaninchen besonders häufig vertreten, gefolgt von rund 1,3 Millionen Meerschweinchen. Das zeigen Zahlen aus der jährlichen Erhebung des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) e. V. und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) e. V.
Mehr Kaninchen und Meerschweinchen pro Haushalt
Kaninchen und Meerschweinchen haben eines gemeinsam: Beide Arten sind soziale Tiere und sollten nicht dauerhaft allein gehalten werden.
„Kaninchen leben am liebsten mindestens paarweise, Meerschweinchen sogar in Kleingruppen von drei bis fünf Tieren“, erklärt Dr. Maximilian Reuschel, Leiter der Abteilung Heimtiere an der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.
Der Zehn-Jahres-Vergleich zeigt eine positive Entwicklung: Lebten 2015 durchschnittlich 1,9 Kaninchen pro entsprechendem Haushalt, waren es 2025 bereits 2,2 Tiere.
Bei Meerschweinchen stieg die durchschnittliche Zahl im gleichen Zeitraum von 1,9 auf 2,5 Tiere pro Haushalt. Auch Gruppen mit drei oder mehr Tieren kommen demnach häufiger vor. Bei Meerschweinchen ist ihr Anteil innerhalb von zehn Jahren um gut zehn Prozentpunkte gestiegen.
Die Zahlen lassen damit zumindest erkennen, dass die Einzelhaltung seltener wird.
Warum Artgenossen so wichtig sind
Das Zusammenleben mit Artgenossen ermöglicht Verhaltensweisen, die ein Mensch nicht ersetzen kann.
„Zum natürlichen Verhalten von Kaninchen und Meerschweinchen gehören Fellpflege, Kommunikation und gemeinsames Spielen“, sagt Reuschel. „Das kann ein Mensch nicht ersetzen – und auch ein Kaninchen kann kein Meerschweinchen ersetzen oder umgekehrt. Die Tierarten unterscheiden sich grundlegend.“
Ein Mensch kann seinem Tier viel Aufmerksamkeit schenken – ein artgleicher Sozialpartner ist er dennoch nicht. Gleiches gilt für die früher durchaus verbreitete Kombination aus einem einzelnen Kaninchen und einem einzelnen Meerschweinchen.
Kaninchen und Meerschweinchen ersetzen sich nicht gegenseitig
Kaninchen und Meerschweinchen haben unterschiedliche Ausdrucks- und Kommunikationsweisen sowie unterschiedliche Bedürfnisse. Werden beide Arten gemeinsam gehalten, benötigt deshalb jedes Tier weiterhin Sozialpartner der eigenen Art.
Eine gemischte Haltung ersetzt weder bei Kaninchen noch bei Meerschweinchen die Gesellschaft von Artgenossen. Zudem müssen ausreichend Platz, Rückzugsmöglichkeiten und eine auf beide Tierarten abgestimmte Haltung gewährleistet sein.
Für Einsteiger ist es daher in der Regel sinnvoller, sich auf eine Tierart zu konzentrieren und dieser geeignete Sozialpartner sowie ausreichend Platz zur Verfügung zu stellen.
Welche Kaninchen passen zusammen?
Bei Kaninchen gilt die Kombination aus einem kastrierten Rammler und einem Weibchen häufig als gut geeignete Konstellation. Welche Tiere tatsächlich harmonieren, hängt jedoch auch von ihrem Charakter, ihrem Alter, ihren bisherigen Erfahrungen und den Haltungsbedingungen ab.
Entscheidend ist außerdem genügend Platz. Kaninchen brauchen Möglichkeiten, einander auszuweichen und sich zurückzuziehen. Enge Käfige sind für eine tiergerechte Haltung nicht geeignet.
Wer weitere Tiere in eine bestehende Gruppe integrieren möchte, sollte die Vergesellschaftung sorgfältig planen. Einfach ein neues Kaninchen in das bestehende Revier zu setzen, kann zu erheblichen Konflikten führen.
Meerschweinchen brauchen eine passende Gruppe
Auch Meerschweinchen sind ausgeprägt soziale Tiere. Dr. Reuschel empfiehlt eine Gruppenstärke von drei bis fünf Tieren.
Eine mögliche Konstellation besteht beispielsweise aus einem kastrierten Böckchen und mehreren Weibchen. Auch andere Gruppenzusammensetzungen können unter geeigneten Bedingungen funktionieren.
Wie bei Kaninchen gilt: Die Tiere benötigen ausreichend Platz, Rückzugsmöglichkeiten und eine Haltung, bei der jedes Gruppenmitglied Zugang zu Futter, Wasser und geeigneten Ruheplätzen hat.
Neue Tiere behutsam vergesellschaften
Soll ein neues Kaninchen oder Meerschweinchen einziehen, sollte nicht allein das Alter darüber entscheiden, ob das Tier zur vorhandenen Gruppe passt. Charakter, Geschlecht, Sozialverhalten und bestehende Gruppendynamik spielen ebenfalls eine Rolle.
Eine Vergesellschaftung sollte deshalb gut vorbereitet werden. Bei Unsicherheit können Halter sich beispielsweise bei auf die jeweilige Tierart spezialisierten Tierärzten, seriösen Tierschutzorganisationen oder erfahrenen Beratungsstellen Unterstützung holen.
Denn bei Kaninchen und Meerschweinchen gilt: Nicht irgendeine Gesellschaft zählt, sondern eine passende Haltung mit Artgenossen, ausreichend Platz und einer funktionierenden Gruppenkonstellation.
Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.; ZZF – Zentralverband der Heimtierbranche e. V.; Expertenaussagen von Dr. Maximilian Reuschel, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.